Nur noch drei Schritte bis zur Bürotür. Die Welt dahinter wurde entführt. Es ist nichts mehr da: keine Autos, keine Menschen, die Gebäude auf der anderen Seite des Platzes sind verschwunden. Alles wurde aufgelöst in diesem reinen Schwarz des Winters. Eine Laterne funzelt müde dagegen an.
Buchen, Eichen, Birken und einige Kiefern wiegen sich im Wind. Nur zwei Meter neben dem Weg wird aus der Dunkelheit jenes schwarze Reich, dass meine kurzsichtigen Augen nicht durchdringen können. Einige Blätter zischeln ihrem Baum einen letzten Gruß zu, bevor sie von den Reifen meines Rades zermalen werden. Nur gen Norden zeichnen sich Äste gegen die von der Großstadt angestrahlten Wolken ab. Dunkle, zuckende Striche auf smok-brauner Leinwand.
Ein Schrei fährt aus dem Boden. Im Humus hat er sich aufgebläht, den langen Atem gesammelt und bläst in die Nacht hinein, Blätter und Käfer werden zu den Baumkronen empor geschleudert. Doch ist er kein Ohrenbetäuber, kein Trommelfellzerschneider. Eher klingt er wie der tiefe Gong einer Glocke, die aus der Herzkammer des Waldes eine Botschaft von Qualen und Pein verkündet. Dieser Schrei bringt die Dunkelheit im Unterholz zum Schwingen, ein tiefer Ton voller Schmerz. Eine gebärende Heilige, ein brünstiger Hirsch, ein angeschossener Kobold? Der Schrei, er keucht und jault, zittert und jammert, röchelt und singt beinahe. Sieben, acht, neun Kurbelumdrehungen, er dauert noch immer an und hat sich tief in meine Brust gekrallt.
Schon trägt der Wind Autoabgase zu mir herüber. Gleich werde ich im Schlund der Großstadt verschwinden. Da kreuzt zwei Radlängen vor mir eine Elfe den Weg. Sie ist klein und knubbelig und reicht gerade bis zum Lenker. Um ihre O-Beine flattert ein zipfeliger Rock und ihr blanker Busen hopst auf und nieder zu ihren eiligen Schritten. Erst als sie aus dem Schatten der Bäume in den Lichtkegel meiner Lampe huscht, erkenne ich, was sie in den Armen hält: ein totgeborenes Kind. Die Nabelschnur hängt feucht glänzend herab. Die Ärmchen hält es von sich gestreckt, als schwämme es im Leib seiner Mutter umher. Als sie schon im Dickicht verschwunden sind, glitzert zwischen den Bäumen noch eine Spur des Elfenatems, der das tote Kind wärmte.

Textilstrand wird vom 
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