Vorm Waschsalon

Bleiches, kaltes Licht fegt die Tram vor sich her; immer gerade aus, noch mal nach rechts, schon wäre ich zu Hause, bei Mann und Kind. Legte mich zu ihnen, irrlichterte kurz durch ihre Träume. Wenn dort vor dem Waschsalon nicht ein dicker Alter säße. In der einen Hand ein Sterni, in der anderen zittrige Minuten. Meine Tram klingelt, die letzte.

Sein Bauch übers Fass gebügelt, zwei weiße Zapfen als Bart, schwach schäumende Hoffnungslosigkeit rinnt die Strohhalmbeine hinab. Mit einem Ruck steht er auf, wankt zur letzten arbeitenden Waschmaschine, in der ein einzelnes Stofftaschentuch – warm und sauber – durch die Trommel taumelt.

Das Taxameter zeigt den Gegenwert von zwei Kästen Sterni an. Mit schlechtem Gewissen kuschele ich mich ins Bett. Vor der Waschtrommel des Vergessens zittert wohl noch immer des Alten bleiche Hand.

0 Responses to “Vorm Waschsalon”


  • No Comments

Leave a Reply