“Schauen Sie sich dit an, Fräulein O., Dienstag waren gerade die Putzleute hier, und nu’ is schon wieder allet voll gekrakelt. Wat sind dit nur für Rüpel?”
“Guten Tag, Frau Gutschmidt, wie geht es Ihnen heute?” Nicht wahr, alte Dame, so viel Zeit muss sein, dass wir noch die Tageszeit entbieten. ”Aber Sie haben schon recht, die Fliesen bleiben höchstens mal für drei Tage sauber, bevor da wieder einer drüber geschmiert hat. Früher bin ich morgens nach dem Frühstück immer zum Briefkasten runter, auch wenn ich erst später aus dem Haus musste. Heute mache ich das nicht mehr. Zwölf Stockwerke runter fahren in diesem voll geschmierten Fahrstuhl – nur noch, wenn’s unbedingt sein muss. Wenn man da einsteigt, fühlt man sich so wohl wie in einer S-Bahn voll betrunkener, grölender Fußballfans mit Mundgeruch. So, und nun geben Sie mal Ihre schwere Tasche her, die bringe ich Ihnen noch bis zur Tür.”
“Sie sind immer so gut zu mir. Danke, wirklich sehr nett. Aber wenn ick mal eenen von den Schmierfinken erwische, der …”
“Nee, nee, Frau Gutschmidt. Das werden Sie mal schön sein lassen. Wer weiß, vielleicht sind die ja mit mehr bewaffnet als nur mit schwarzen Filzern.”
“Naja, wahrscheinlich haben Sie recht. Aber ick sach Ihnen dit. So wat hat’s nicht unter Erich jejeben und unter Adolf och nich.”
“Und was hätte erst der olle Wladimir Iljitsch dazu gesagt, dessen Granitkopp sie in den Müggelbergen vergraben haben?”
“Mensch, dit jemand aus’m Westen so wie Sie dem Lenin seine Vornamen kennt. Is schon besser, dit der nich mehr mit ankieken muss, wat hier an seinem schönen Leninplatz so passiert. Und noch mal Danke für’s Tasche hochbringen. Haben Se noch nen schönen Tach.”

Textilstrand wird vom 
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