Seit acht oder neun Jahren trage ich eine Figur mit mir herum. Eigentlich müsste ich sagen: in mir herum. Wo auch immer sich die Figuren in ihrer Autorin verstecken, die später zu einem Charakter in einer Erzählung werden, dieser geheime Ort, der vermutlich irgendwo zwischen Herz und Hirn liegt und den ich mir als ein morsches Bootshäuschen in einer winzigen, verlassenen Marina fernab aller Textil- und Nacktbadestrände vorstelle, in diesem dunklen Bootshäuschen in mir versteckt sich seit vielen Jahren eine dicke Irin.
Erst hieß sie Mary-Anne, nun Mary-Ellen. Zwischenzeitlich ist sie zu einer Halbirin geworden, mit einem irischen, kommunistischen Vater und einer deutschen, katholischen Mutter. Dick, man müsste wohl eigentlich sagen fett und nicht mehr ganz jung, ist sie über all die Jahre geblieben. Mary-Anne wohnte in meiner Fantasie (und im Blog) in Dublin und sang in einer ganz frühen Fassung, die es nur auf echtem, zerreißbaren Papier gibt, in verrauchten Jazzkellern im alten Osteuropa hinter dem eisernen Vorhang. Seit einigen Wochen nun hämmert Mary-Ellen jeden Tag vehement gegen die moosigen Wände des Bootshauses und will raus. Sie lässt keinen Zweifel daran, dass es ihr in dem ollen feuchten Häuschen mächtig stinkt. Sie möchte sich endlich selbst erkennen können, mit anderen Worten bei Tageslicht auf elektronischem Blog-Papier Gestalt annehmen.
In dem Bootshäuschen befinden sich weiterhin eine männliche Hauptfigur (Rudi), Skizzen für einen fantastischen, geheimen Ort und ein Stadtplan von Berlin. Irgendjemand hat Zettel an die Innenseite der Tür geklebt, auf die kurze Notizen zu Stil, Erzählperspektive und einigen Themen gekritzelt wurden.
Was daraus werden wird? Ich habe keine Ahnung. Wenn ich mir meine Notizbücher der letzten zehn Jahre und die Blogeinträge am Textilstrand seit anno August 2007 anschaue – wahrscheinlich gar nichts. Doch es rumort in mir (wie gesagt, dieses ständige Pochen und Hämmern von Mary-Ellen) und ich hoffe, dass ich dieses eine Mal die Disziplin aufbringen werde, meine Ideen für Was-auch-immer-das-hier-werden-Wird nicht wieder im Sumpf meiner Schreibfaulheit versinken zu lassen.
Schaun wir mal, was dabei raus kommt. Icke jedenfalls bin schon janz uffjeregt…

Textilstrand wird vom 
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