Author Archive for Bademeister

Sendepause

Die Kurverwaltung gibt bekannt, dass der Textilstrand bis Ostern geschlossen bleiben wird. Der Bademeister, die Frei- und Rettungsschwimmerinnen und diverse andere Mitglieder des Verwaltungsbeirats jammern über akute Arbeitsüberlastung in einer Welt, die fernab des Textilstrands liegt. Das Gedankenrauschen ist zeitweilig verstummt. Die Kurverwaltung entschuldigt sich vielmals für die kollektive Einfallslosigkeit und bittet bei allen Strandbesuchern um Nachsicht. Wenn die Osterhasen über die Dünen gehoppelt sind, wird es hier weiter gehen…

Frohes Neues!

Allen Strandbesuchern die besten Wünsche für 2008, vor allem ein bisschen frischen Wind und natürlich Sonnenschein! Danke für’s Vorbeischauen.

hoher atlas Frohes Neues! |

Kurz vor Weihnachten fanden sich noch einige Urlaubstage, schnell wurden ein paar Euros zusammengekratzt und schon saß ich im Flieger nach Marrakesh. Das erste Mal auf dem afrikanischen Kontinent, das erste Mal in einer islamischen Gesellschaft. Die Menschen, die mir begegneten, mich in ihre Häuser, zu ihren Freunden und Familien einluden und ihr Essen mit mir teilten, zeichneten sich durch eine Warmherzigkeit aus, die mich sehr berührte. Mir als Außenseiterin erschien ihre Religion als tolerant und ungemein flexibel im Alltag. Das Los der Frauen auf dem Land ist jedoch hart: das Familieneinkommen wird in die Ausbildung der Söhne investiert, die Mädchen besuchen die Grundschule, danach wartet ein Leben im Haushalt und auf den Feldern auf sie. Ich war Gast in einem von Religiosität geprägten Land; doch das Gesicht des Islam (mit und ohne Schleier) das mich anlächelte, sah ganz anders aus, als die islamistische Fratze, die so häufig in unseren Medien vorgeführt wird. Continue reading ‘Frohes Neues!’

Abseits

Der Fernsehturm blinkt, stachelt das Gewitter an. Einsame Menschen laufen Runde um Runde: grünes Fußballherz, rote Planetenbahn, staubiger Sprungkastensatellit. Schweiß- und Regentropfen fallen, verdunsten, fallen, zerplatzen auf der Bahn. Es donnert.

Einer mit taumelndem Schritt
überholt das Mädchen
mit den knappen Hosen.
Pimpern, denkt er, immer
wieder Pimpern.
Wie eine Zunge
im Gesträuch mit der Kleinen
leckt der Schweiß
seinen Rücken.

Der Bursche sieht nicht die Gestalt, die sich am Rand des Sportplatzes duckt, sich am Gebüsch entlang zum Spielfeld hin schiebt. In schwarzer Hose und schwarzem Trikot, mit schwarzen Strümpfen bis zu den Knien, hält er eine Fahne weit von sich gestreckt. Ein rotes, hängendes Rechteck mit einem kleinen Mann hintendran, beachtet nur vom Mädchen in knappen Hosen.

 

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