Archive for the 'Kasbah du Chocolat' Category

Kasbah du Chocolat (2)

Sie gehen zum Fluss hinunter, dessen steiniges Bett zwischen dem neuen und alten Teil des Dorfes etwa 100 Meter breit ist. Nur im Januar schwillt er für einige Tage auf seine volle Größe an, jetzt kann man ihn mit drei Schritten über Sandsäcke überqueren. Sie lupft den Saum und hüpft hinüber – so elegant es in einem Kaftan mit Jeans drunter und klobigen Wanderschuhen an den Füßen eben geht. Houssam geht schon voraus, doch sie hält noch einen Augenblick inne. Wirft einen Blick zum Himmel, den Fluss hinauf und hinunter, lächelt und schaut zuletzt geradeaus zum „Kasbah du Chocolat“ wie sie es nennt: Aït Ben Haddou, ein ganzes Dorf aus Lehm: Türme, Häuser, Ställe, Gassen. Aufgehäuft in Schokoladenbraun an der Seite eines Hügels.

Heute ist der Tag des Schlachtfestes. Neben jedem Haus gibt es eine Lache noch warmen Blutes, das die abschüssigen Gassen und Treppen hinunter läuft. Wie ein Netz aus Adern durchziehen diese Rinnsaale das Dorf. Das Blut von drei, vier Schafen sammelt sich in einer violett-roten Pfütze auf dem Hauptweg und rieselt zum südlichen Tor hinab. Continue reading ‘Kasbah du Chocolat (2)’

Kasbah du Chocolat (1)

kaftan Kasbah du Chocolat (1) | Das Minarett der Moschee ist ein hoher, viereckiger Turm, der das Dorf überragt ohne es zu dominieren. Wie alle Gebäude hier ist es gebaut aus Lehm und Holz; aus der roten Erde des Hohen Atlas, die in der Sonne leuchtet, in schattigen Ecken jedoch braun wie Vollmilchschokolade ist. Die Kanten sind mit weißen Steinen verziert und oben hängt ein Lautsprecher aus dem Fenster. Heute Morgen krähte ein Hahn gegen das Rufen des Muezzins an.

Die Männer des Dorfes, mit dem Gebetsteppich unterm Arm, schlendern die Straße entlang, plaudern miteinander, der eine kickt einen Fußball zurück zu ein paar spielenden Kindern. Ein anderer winkt der deutschen Touristin zu, die erst vor zwei Tagen angekommen war. Wie alle Touristen wohnt sie im neuen Teil des Dorfes, wo es Trinkwasser, Strom und Sitztoiletten mit einem Klopapierhalter daneben gibt. Sie grüßt zurück: „Wa aleikum salaam.“ Der Friede sei auch mit Euch. Continue reading ‘Kasbah du Chocolat (1)’

Dreier-Pasch

Nach dem Posten des ersten Teils meines kleinen Kurzgeschichten-Projekts für den Textilstrand war ich sogleich ins Stocken geraten. Jedes Mal, wenn ich mich an den Rechner setzte, dasselbe Spiel: tippen – markieren – löschen. Nicht ein einziger Satz, der etwas getaugt hätte. Irgendwo hing es und ich wußte nicht wo.

Gestern dann kam mir ein erlösende Gedanke, nachdem ich mir “The Darjeeling Limited ” angeschaut hatte: Ich hatte den Humor vergessen! Nicht, dass ich mir anmaßen würde, so wunderbar schräge Charaktere und Szenen schreiben zu können wie Wes Anderson und seine Kompagnons. Für dieses Blog-Projekt hatte ich mir den Islam und die zaudernde Position des Westens dazu vorgenommen. Ich glaubte, dass müsse doch Ernst sein. So’n Quatsch! In Marokko habe ich einige so komische und zugleich tief menschliche Momente erlebt, es wäre einfach dumm von mir, diese nicht in der Geschichte wieder zu geben.

Womit wir auch schon bei der zweiten Erkenntnis des gestrigen Abends sind: Continue reading ‘Dreier-Pasch’

Salaam Aleikum

fussballkinder marokko Salaam Aleikum |

Hier nun also der erste Happen der angekündigten Geschichte.

Die Männer des Dorfes, mit dem Gebetsteppich unterm Arm, schlendern die Straße entlang, plaudern miteinander, der eine kickt einen Fußball zurück zu ein paar spielenden Kindern. Sogar mir winken sie wie einem alten Bekannten zu, als wäre ich nicht erst 36 Stunden, sondern schon drei Wochen hier. Wa aleikum salaam. Der Friede sei auch mit Euch, ihr neuen Freunde.

Das Minarett ist ein hoher, viereckiger Turm, der das Dorf überragt ohne es zu dominieren. Wie alle Gebäude hier ist es gebaut aus Lehm und Holz; aus der roten Erde des Hohen Atlas, die in der Sonne leuchtet, in schattigen Ecken jedoch braun wie Vollmilchschokolade ist. Die Kanten sind mit weißen Steinen verziert und oben hängt ein Lautsprecher aus dem Fenster. Heute Morgen krähte ein Hahn gegen das Rufen des Muezzins an.

Ein Muezzin solle eine schöne Stimmen haben, sagt der Reiseführer. Warum kaufen sie dann aber billige, scheppernde Lautsprecher, die die ‚schöne’ Stimme so verzerren, dass genauso gut ein Lamm ins Mikro blöken könnte und man den Unterschied nicht hören würde? Doch so etwas zu sagen, gilt wahrscheinlich schon als Gotteslästerung. Wozu mir der Storch von gestern einfällt: Auf der Fahrt hierher habe ich vom Bus aus ein Minarett gesehen, auf dessen Spitze ein großes Nest gebaut war. Darin stand ein etwas zerzauster Storch. Cooles Vieh, dachte ich, flieht genauso wie ich vor dem grauen Berliner Winter hierher und steigt den Muslimen erst mal aufs Dach.

Frohes Neues!

Allen Strandbesuchern die besten Wünsche für 2008, vor allem ein bisschen frischen Wind und natürlich Sonnenschein! Danke für’s Vorbeischauen.

hoher atlas Frohes Neues! |

Kurz vor Weihnachten fanden sich noch einige Urlaubstage, schnell wurden ein paar Euros zusammengekratzt und schon saß ich im Flieger nach Marrakesh. Das erste Mal auf dem afrikanischen Kontinent, das erste Mal in einer islamischen Gesellschaft. Die Menschen, die mir begegneten, mich in ihre Häuser, zu ihren Freunden und Familien einluden und ihr Essen mit mir teilten, zeichneten sich durch eine Warmherzigkeit aus, die mich sehr berührte. Mir als Außenseiterin erschien ihre Religion als tolerant und ungemein flexibel im Alltag. Das Los der Frauen auf dem Land ist jedoch hart: das Familieneinkommen wird in die Ausbildung der Söhne investiert, die Mädchen besuchen die Grundschule, danach wartet ein Leben im Haushalt und auf den Feldern auf sie. Ich war Gast in einem von Religiosität geprägten Land; doch das Gesicht des Islam (mit und ohne Schleier) das mich anlächelte, sah ganz anders aus, als die islamistische Fratze, die so häufig in unseren Medien vorgeführt wird. Continue reading ‘Frohes Neues!’